Neurodermitis beim Baby

Babys und Neurodermitis: ein besonderes Problem. Neugeborene können sich nicht verbal äußern. Aber die Haut des Babys zeigt deutlich, wenn etwas nicht stimmt: Trockene Haut, gerötete oder schuppende Hautstellen können äußere Anzeichen für eine einsetzende Neurodermitis sein.

Bei der Entstehung einer Neurodermitis gibt es viele Theorien. Was wirklich in direkter Wechselwirkung mit einer Baby-Neurodermitis steht, bleibt oft unentdeckt. Dieser Artikel will Sie bei den Vorbereitungen auf den Besuch beim Hautarzt bzw. Kinderarzt unterstützen.

Wie sieht Neurodermitis beim Baby aus?

Meistens bildet sich die typische Neurodermitis beim Kind ab drei Jahren. Doch können bereits Babys mit 3 Monaten die ersten Anzeichen von Neurodermitis zeigen und an den typischen Symptomen leiden.

Der Grundstein für ein hohes oder niedriges Neurodermitis-Risiko wird schon im Babyalter gelegt. Durch die richtige Hautpflege mit für Babyhaut geeigneten Produkten kann Mama bzw. Papa jedoch schon frühzeitig etwas dagegen unternehmen.

Zwei wissenschaftliche Studien aus den USA und Japan zeigen, dass tägliches Eincremen das Neurodermitis-Risiko bis um die Hälfte reduzieren kann.

Lesen Sie auch: Eincremen hilft – das ist wissenschaftlich erwiesen.

Muss ich mir über Hautrötungen beim Baby Sorgen machen?

Hautrötungen sind bei Säuglingen keine Seltenheit. Schließlich muss sich die Haut als das größte Organ des Menschen erst an die Welt außerhalb der Gebärmutter gewöhnen.

Gründe können sein

  • Die Windel scheuert an den Oberschenkeln.
  • Die Haut reagiert auf die Naht in einem Strampelanzug.
  • Das Neugeborene verträgt ein Nahrungsmittel nicht, das die Mutter ihm unwissentlich beim Stillen mit der Milch weitergibt.

Die Infografik weiter unten zeigt Ihnen einige der typischen Stellen, an denen bei einem Neugeborenen Anzeichen für eine Neurodermitis sichtbar werden können.

Verdacht auf Neurodermitis – wann mit dem Baby zum Arzt?

Im Rahmen der routinemäßigen Untersuchungen beim Kinderarzt im ersten Lebensjahr (U1-U6) werden beim Baby auch Hautuntersuchungen durchgeführt.

  • Hat das Baby ein Hämangiom (auch Erdbeerfleck oder Blutschwämmchen genannt)?
  • Ist die Babyhaut blass oder verfärbt?
  • Gibt es womöglich Anzeichen für eine Unverträglichkeit, die sich als Hautausschlag äußert?
  • Der erfahrene Kinderarzt kann am Zustand der Haut vieles erkennen – auch hinsichtlich der Sauerstoffversorgung und des Flüssigkeitshaushalts des Babys.
  • Die Frühanzeichen einer Neurodermitis fallen bei einer der U-1-6- Untersuchungen in der Regel auf. Dennoch ist es natürlich sinnvoll, wenn Sie sich bei einer plötzlich oder schleichend auftretenden Hautrötung umgehend Rat holen.
  • Im Zweifelsfall lieber einmal mehr zum Arzt gehen.

Milchschorf – ein mögliches Anzeichen für Neurodermitis

Milchschorf kann ein Anzeichen für Neurodermitis beim Baby sein.
Der Milchschorf zeigt sich in Form weißlich-gelber Schuppenkrusten auf geröteter Haut.

Kommt Milchschorf vom Stillen oder vom Fläschchen?

Der Name Milchschorf hat nichts mit Muttermilch oder Fläschchenmilch zu tun. Diese Hautauffälligkeit erinnert vom Aussehen her an angebrannte Milch. Daher kommt der Name Milchschorf.

Meistens tritt er im Gesicht des Neugeborenen auf. Milchschorf kann sich aber auch am Ellenbogen, am Knie oder am Schienbein zeigen.

Hat mein Baby bei Milchschorf automatisch Neurodermitis?

Das Auftreten von Milchschorf bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Neurodermitis entsteht.

  • Bei etwa der Hälfte aller Babys heilt der Milchschorf bis zum zweiten Lebensjahr aus.
  • Oft wird Milchschorf mit dem harmlosen Kopfgneis verwechselt. Kopfgneis, eine talgige, gelbliche bis bräunliche Schuppung der Kopfhaut, verschwindet im ersten Lebensjahr von alleine.

Wir haben hier einen Artikel für Sie vorbereitet, in dem Sie mehr über die Unterschiede zwischen Kopfgneis und Milchschorf erfahren.

Welche Neurodermitis-Symptome können sich aus Milchschorf entwickeln?

Wenn aus Milchschorf Neurodermitis wird, bilden sich als weitere Symptome:

  • entzündete Hautstellen (Ekzeme), die stark jucken
  • sehr trockene Haut
Neurodermitis typische Hautstellen

Juckreiz, gerötete, gereizte, trockene und schuppige Haut: typische Hautstellen bei Neurodermitis

An welchen Stellen zeigen Neurodermitis-Babys die Symptome?

Betroffen sind bei Neurodermitis-Babys vor allem Gesicht, Ohren und andere Stellen am Kopf. Wenn Sie also bei Ihrem Baby an den hier beschriebenen Stellen Auffälligkeiten der Haut feststellen, sollten Sie genauer hinsehen.

Was ist die richtige Hautreinigung beim Baby?

Die richtige Hautpflege und Hautreinigung beim Baby gibt es nicht pauschal. Es hängt immer auch davon ab, wie empfindlich die Haut des Säuglings ist. Generell aber lässt sich sagen: Alles mit Maßen ist stets der richtige Ansatz.

  • Klares, nicht zu heißes Wasser ist die beste Basis für eine natürliche Hautpflege.
  • Seifen oder Duschgels können hautreizende Duftstoffe enthalten, die die Haut des Babys reizen. Als geeignet stellen sich pH-neutrale Reinigungsprodukte und rückfettende, medizinische Ölbäder heraus.

Baby baden – was ist die richtige Temperatur? Die Tabelle zeigt es

Baby baden - richtige Temperatur

Worauf bei der Baby-Körperpflege achten?

Wenden Sie alles in Maßen an. Das ist an sich schon sehr richtig:

  • Baden Sie Ihr Baby einige Minuten (max 10 min), das reicht schon
  • Sorgen Sie für eine angenehme Wassertemperatur: 35 – 37°C sind ein guter Wert
  • Tupfen Sie Babys Haut sanft trocken und vermeiden Sie zu starkes Abrubbeln.
  • Um ein Austrocknen der Haut nach dem Baden zu verhindern, cremen Sie Ihr Baby mit einer geeigneten Creme oder Lotion ein.
  • Achten Sie auf die Inhaltsstoffe der Pflegeprodukte. Parfümierte und konservierte Cremes sollten speziell im Säuglingsalter tabu sein.

Woher kommt die Neurodermitis beim Baby?

Die genauen Ursachen für Neurodermitis bei Neugeborenen und Kindern im ersten Lebensjahr kennt die Medizin bis heute nicht. Neurodermitis ist ein komplexes Phänomen, das in unterschiedlichem Kontext auftreten kann.

Allgemein lässt sich sagen: Bei Neurodermitis ist die Hautbarriere nicht intakt!
Weil die natürliche Schutzfunktion der Haut gestört ist, trocknet die Haut aus und beginnt zu jucken.
Das Baby folgt seinem Impuls und kratzt sich.
Durch das Kratzen können Keime in die Epidermis (oberste Hautschicht) gelangen.
Je spröder die Haut wird, desto durchlässiger wird sie für Staub, Pollen und Substanzen aus der Kleidung.

Deshalb ist es so schwer, die genauen Ursachen für Neurodermitis herauszufinden. Es handelt sich immer um ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren.

Welche Ursachen und Risikofaktoren für Neurodermitis sind heute medizinisch bekannt?

Dermatologen und forschende Hautexperten vermuten, dass verschiedene Faktoren die Hautbarriere stören:

Kann Neurodermitis vererbt werden?

Genetische Faktoren können eine Ursache sein. Das bedeutet, wenn Vater oder Mutter oder beide selbst an Neurodermitis erkrankt sind, erhöht sich das Risiko für das Kind erheblich. Statistiken sprechen von 40-80 Prozent.

Dennoch braucht Neurodermitis kein schweres Schicksal zu sein.

Einerseits kann man durch Verhaltensregeln dafür sorgen, dass es zu einem milden Verlauf der Neurodermitis kommt. Des Weiteren sind gute Hautpflegeprodukte heute so ausgereift, dass ein Leben mit Neurodermitis viel einfacher und angenehmer ist als noch vor 20 Jahren.

Welche weiteren Ursachen für Neurodermitis gibt es?

In den Industrieländern nimmt die Zahl der Kinder mit Neurodermitis stetig zu. Knapp 10 % der Kinder in Deutschland sind betroffen, laut KiGGS-Studie
(Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.)
Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Wissenschaftler vermuten aber, dass übertriebene Hygiene, Luftverschmutzung und Ernährung eine Rolle spielen könnten.

Eine große Anzahl von Faktoren, die eine Neurodermitis begünstigen können, finden Sie hier auf der Seite www.gesundheitsinformation.de/ und https://www.dha-allergien.de/neurodermitis.html

Was passiert bei Neurodermitis genau mit der Haut?

Im gesunden Zustand funktioniert die Babyhaut wie ein Schutzwall für den Körper. Die Haut besteht aus Hornzellen, die von Fetten umschlossen sind. Die Hornzellen könnten Sie sich wie Steine oder Fliesen vorstellen – und das Hautfett wie das Fugenmittel.

  • So lange alles im Gleichgewicht ist, bewahrt die Haut die Feuchtigkeit in ihrem Inneren.
  • Krankheitserreger, allergieauslösende Stoffe und reizende Substanzen bleiben draußen.
  • Bei Patienten mit Neurodermitis verändert sich die Zusammensetzung der Fette in der Haut.
  • Die Fettschicht wird zu dünn. Daher verliert die Haut viel Feuchtigkeit. Sie trocknet aus. Der Schutzwall bekommt mikroskopisch kleine Risse. Weil viele Stoffe wie Staub, Pollen, Substanzen aus der Kleidung usw. in die Haut gelangen, reagiert das Immunsystem.
Allergie Blütenpollen Fehlalarm Immunsyste

Fehlalarm des Immunsystems beim Einatmen von Pollen – das gleiche Prinzip ist bei Hautkontakt mit Allergenen möglich

Fehlalarm durch das Immunsystem

Das Immunsystem schlägt Alarm und lässt Entzündungen entstehen. Entzündungen sind im Krankheitsfall ein Gegenangriff des Körpers.

Bei der Neurodermitis schädigt der Körper seine eigene Haut selbst. Von den Substanzen geht direkt keine Gefahr aus. Die an sich überflüssige Reaktion des Immunsystems löst eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus. Juckende Entzündungen entstehen auf und in der Haut. Die Nerven des Patienten sind beansprucht, er kratzt und verschlimmert den Zustand. Neuro-Dermitis entsteht im wörtlichen Sinn: die Nerven-Hauterkrankung.

Neurodermitis beim Baby – wie kann ich vorbeugen?

Hilft das Eincremen?

Zwei Studien aus Amerika und Japan mit 124 bzw. 118 Kindern scheinen zu belegen, dass regelmäßiges Eincremen direkt nach der Geburt das Neurodermitis-Risiko für Babys verringern könnte.

  • Bei den Eltern der Babys in den Studien war jeweils mindestens ein Elternteil an Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen erkrankt. Es bestand also ein erhöhtes, erblich bedingtes Risiko für die Babys.
  • Die Eltern cremten ihre Babys bis zum sechsten bzw. achten Lebensmonat mit einer Creme ein, die keine (arzneilichen) Wirkstoffe enthielt.
  • Die Hälfte der Probanden blieb als Kontrollgruppe unbehandelt.
  • In einer Untersuchung sank das Auftreten einer Neurodermitis durch die Maßnahme um 32 und in der anderen sogar um 50 Prozent.

Neurodermitis-Studie aus den USA:

„Emollient enhancement of the skin barrier from birth offers effective atopic dermatitis prevention“

Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25282563/

Neurodermitis-Studie aus Japan:

„Application of moisturizer to neonates prevents development of atopic dermatitis“

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25282564/

Kann Stillen gesunde Haut unterstützen?

Die allgemeine Empfehlung lautet: Stillen Sie Ihr Baby mindestens bis zum vierten Lebensmonat.

Das Stillen ist grundsätzlich ein wichtiger Faktor, der dem Baby ein hohes Maß an Zuwendung und Geborgenheit signalisiert.

Prophylaktisch das Rauchen aufgeben?

Es versteht sich von selbst, dass schwangere Frauen nicht rauchen dürfen. Raucherinnen, die zu Beginn der Schwangerschaft das Rauchen aufgeben, verringern damit das Risiko ihrer Kinder, an Neurodermitis zu erkranken. Verschiedene Studien zeigen das. Babys müssen – wie alle Kinder und auch Jugendliche – selbstverständlich auch nach der Geburt von Tabakrauch ferngehalten werden.

Neurodermitis beim Baby: Diagnose

Um eine Diagnose zu stellen, wird Sie der Arzt zunächst zur Krankheitsgeschichte Ihres Babys befragen (Anamnese). Anschließend untersucht er die Haut des kleinen Patienten. Juckende und entzündliche Hautveränderungen, die immer wiederkehren, sind ein deutlicher Hinweis auf eine Neurodermitis.

Besteht der Verdacht, dass die Neurodermitis mit einer Allergie in Verbindung steht, kann der Arzt einen entsprechenden Allergietest durchführen, etwa einen Prick-Test, bei dem häufige Allergieauslöser auf die leicht eingeritzte Haut aufgetragen werden.

Außerdem muss der Arzt andere Hauterkrankungen mit ähnlichen Symptomen – wie eine Schuppenflechte oder Pilzerkrankungen – ausschließen.

Ist Neurodermitis beim Baby heilbar?

Heilbar im Sinne von „ausheilbar“ beim Baby scheint Neurodermitis nicht zu sein. Sie muss allerdings nicht bestehen bleiben. Mit der richtigen Behandlung lässt sich eine Neurodermitis gut unter Kontrolle bringen. Das heißt, Schübe treten nur selten auf und verlaufen mild. Oder die kleinen Patienten sind vollständig symptomfrei.

Bei vielen Kindern ändern sich die Symptome außerdem während der Pubertät.

Hautpflegeprodukte für das Baby mit Neurodermitis

Harnstoff (med. Urea) hat sich als hilfreich zur Verbesserung der Haut im Neurodermitis-Fall erwiesen.
Allerdings ist bei Säuglingen Vorsicht geboten, weil es zu einem Brennen auf der Haut kommen kann. Bei Babys und Kindern unter 6 Jahren sollten Sie daher besser auf harnstoffhaltige Pflegeprodukte verzichten.

Eine weitere Substanz in Pflegeprodukten, die Neurodermitis-Symptome mildern kann, ist Glycerin. Glycerin spendet der trockenen Babyhaut sehr gut Feuchtigkeit und wird auch schon von den Kleinsten sehr gut vertragen. Dermifant® Basistherapie ist so die ideale, urea-freie Pflege für Babys und Kinder mit Neurodermitis.

Quellen zu diesen Informationen

  • AWMF-Leitlinie: Thomas Werfel et al.: Leitlinie Neurodermitis [atopisches Ekzem; atopische Dermatitis], 2016
  • http://www.dgaki.de/wp- content/uploads/2010/05/WerfelT_2kLL_Neurodermitis-JDDG2016-.pdf
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.: Neurodermitis (Atopisches Ekzem) https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neurodermitis-atopisches-ekzem/was-ist-eine-neurodermitis/
  • Riem, L. Cremen gegen den „allergischen Marsch“, Springer Verlag. 2015. DOI: 10.1007/s11298-015-5476-2.
  • Simpson EL, Chalmers JR, Hanifin JM, Thomas KS, Cork MJ, McLean WH, Brown SJ, et al. Emollient enhancement of the skin barrier from birth offers effective atopic dermatitis prevention. J Allergy Clin Immunol 2014;134:818-823.
  • Horimukai K, Morita K, Narita M, Kondo M, Kitazawa H, Nozaki M, Shigematsu Y, et al. Application of moisturizer to neonates prevents development of atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol 2014;134:824- 830.e826.
  • Universitäts-Hautklinik Mainz: Informationsmaterial der Atopie- Sprechstunde https://www.unimedizin- mainz.de/fileadmin/kliniken/haut/Dokumente/Triggerfaktoren.pdf
  • KiGGS-Studie: https://www.kiggs-studie.de/ergebnisse.html
  • Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München: www.allergieinformationsdienst.de
  • S3-Leitlinie „Allergieprävention“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie et al. (Stand: 2014)